Hochzeit · Mossel Bay
Destination Wedding in Mossel Bay, Südafrika
Das Standesamt lag ein paar Monate zurück, zwei Stunden Mannheimer Marktplatz und Konfetti. Gefeiert wurde dann auf der anderen Erdhalbkugel, an einem Strand in Mossel Bay, und zwar im Februar: südafrikanischer Spätsommer, während zuhause Winter war.
Mossel Bay, auf Afrikaans Mosselbaai, ist zusammen mit Kapstadt der Lieblingsort von E & M. Dort hängen so viele Erinnerungen, dass ihnen „Urlaubsort“ irgendwann zu klein wurde. Also haben sie mehr daraus gemacht.
Beim Standesamt im Alten Rathaus war ich deshalb nur kurz, und zwar mit Absicht: dunkles Holz, wenig Licht, alles auf engem Raum, fertig in zwei Stunden. Wie dieser offizielle Teil aussah, steht in der Hochzeit im Standesamt Mannheim. Mossel Bay war in jeder Hinsicht das Gegenteil: kein Zimmer, das den Bildausschnitt für mich sortiert, nur Sand, Wind und ein Himmel, der von halb elf bis vier Uhr nachmittags gnadenlos von oben kommt.
Wir sind zusammen geflogen, ab Frankfurt, derselbe lange Flug, später derselbe Ort zum Wohnen. Für mich war es das erste Mal außerhalb Europas. Deshalb fängt die Strecke nicht am Strand an, sondern auf dem Rollfeld in George: Leute in Warnwesten vor den Outeniqua-Bergen, zwei Fahnen vor dem Terminal, dann die Küstenstraße mit dem Meer im Gegenlicht, und am Abend der erste Blick von oben auf die Bucht.
Zwölf Personen waren wir, mehr nicht. Das ist keine Hochzeitsgesellschaft, das ist eine Reisegruppe, und es verändert den ganzen Tag: Man frühstückt zusammen, man wartet zusammen, niemand muss irgendwem vorgestellt werden. Am Morgen dann Haare und Make-up an einem Fenster, hinter dem die Bucht liegt; im Spiegel gegenüber steht die Braut, hinter ihr der Ozean, und für dieses eine Bild muss ich nichts tun außer stehenbleiben.
Getraut wurde unten am Strand, unter einem weißen Baldachin. Die Gäste saßen auf Bänken im Sand und hielten Papierschirmchen gegen die Sonne. Im Strauß steckten Proteas, die Ringe kamen in einer Muschel. Und der Wind hatte den ganzen Nachmittag seine eigene Meinung: Auf etlichen Bildern zieht der Stoff des Baldachins quer durchs Bild und legt sich vor das halbe Gesicht der Braut. Ich habe sie drin gelassen, weil es genau so war.
Was am offenen Strand mittags schwierig ist: Es gibt keinen Schatten, in den man ausweichen kann, und keine Wand, die das Licht bricht. Also arbeitet man mit dem, was der Ort hergibt — dem Baldachin als Diffusor, den Schirmen als Reflektoren, der Silhouette gegen die Sonne. Am späten Nachmittag kippt das Licht in dieses lange, flache Gold, und die Küste macht plötzlich alles allein.
Abends Braai statt Bankett: Wimpelketten unter einem Segeldach, ein Feuer in einer gemauerten Grube, ein Bräutigam, der die Schüsseln selbst an den Tisch trägt. Getanzt wurde bis in die Nacht, die Schuhe standen da längst nebeneinander im Sand. Über der Bar hing ein handgemaltes Schild auf Afrikaans, „lekkerste kossies van die Kaap“, daneben die Karte: Snoek, Vleispot, Potbrood, „geniet!“. Das war ungefähr das Niveau an Dekoration, das dieser Abend brauchte.
Zwei Reportagen, ein Paar, ein paar Monate und ein halber Globus dazwischen. Der offizielle Teil steht in Mannheim; hier ist der Teil, für den sie gewartet haben. Mehr Hochzeiten weit weg von zuhause stehen auf der Destination-Übersicht.
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